Die praktische Bedeutung der Auferstehung Jesu für uns

Markus 16, 1 - 8

"Das Ereignis von Ostern ist ... keine historische Tatsache", behauptet die Theologin und Germanistin Dorothee Sölle in einem ihrer Bücher1 und spricht damit ihren modernistischen Kollegen aus dem Herzen. Die meisten von uns jedoch halten bei einer solchen Behauptung sicherlich innerlich die Luft an - zuviel hängt für entschiedene Christen davon ab, ob der Herr Jesus Christus wirklich und tatsächlich von den Toten auferstanden ist oder nicht. Wäre Er im Grab geblieben, dann gäbe es auch für uns keine Auferstehung und damit kein ewiges Leben. Eine Unmenge biblischer Verheißungen würden zur Täuschung oder sogar zur Lüge.

Daß der Herr Jesus Christus den Tod überwunden hat, davon hängt jedoch nicht nur unser Ergehen in der Ewigkeit ab. Diese Tatsache kann auch unser irdisches Leben jetzt und hier entscheidend verändern.

1) Sie relativiert unsere Sorgen (V. 1 - 4)

Die Frauen waren unterwegs zu der Gruft, um den Leichnam Jesu zu balsamieren. Joseph von Arimathia und Nikodemus hatten dies, wie es üblich war, schon vor der Grablegung getan (Joh. 19, 38ff); vielleicht meinten die Frauen, dies sei unterblieben, da Jesus am späten Freitagnachmittag, kurz vor Sabbatbeginn, gestorben war. Sie waren von der Sorge bewegt, wer für sie den schweren Rollstein entfernen würde, der die Grabhöhle verschloß. Ein Ausleger fragt hier, warum die Frauen diese Überlegung erst unterwegs anstellten. Nun, das Problem wird ihnen schon vorher bewußt gewesen sein, aber aus Liebe zum HERRN gingen sie dennoch los; und unterwegs unterhielten sie sich natürlich darüber. Aber als sie ihr Ziel erreichten, stellten sie überrascht fest, daß der Eingang bereits frei war. Was sie in diesem Augenblick noch nicht wußten: ein Engel hatte den Stein weggerollt (Mt. 28, 2), denn der Herr Jesus war auferstanden. Das Grab war leer! Die Sorge, die sie auf dem ganzen Weg bedrückt hatte, war also völlig grundlos gewesen.

Nicht alle unsere Sorgen werden durch die Auferstehung Jesu gegenstandslos, aber diese Tatsache relativiert sie, d.h., sie hilft uns, unsere Probleme in den richtigen Proportionen zu sehen. Dieses irdische Leben ist ja "nur" ein Vorspiel zu unserem eigentlichen, dem ewigen Leben. Was uns heute noch bewegt, beschäftigt oder gar belastet, wird uns in wenigen Jahrzehnten gar nicht mehr wichtig sein, weil wir beim HERRN sein werden! Damit sollen unsere Nöte nicht verharmlost werden; Gläubige haben z.T. ganz furchtbare Lasten zu tragen. Und doch - im Licht der Ewigkeit gesehen, sind sie "nur" vorübergehend. "Denn ich denke, daß die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll" (Röm. 8, 18; vgl. 2. Kor. 4, 17). Im Herbst zeigte ich einmal meinen Kindern einen Buchenzweig: die Blätter verwelkten bereits, aber da waren auch die neuen Knospen, die Verheißung neuen Lebens für das nächste Frühjahr. So ist die Auferstehung Jesu für uns die Gewißheit unserer zukünftigen Herrlichkeit. Sie nimmt uns unsere Sorgen und Nöte nicht weg, aber sie hilft uns, sie in einem anderen Licht zu sehen.

2) Sie stärkt unseren Glauben (V. 5 - 7)

Ist es nicht eigentlich umgekehrt so, daß die Auferstehung Jesu einen großen Glauben erfordert? Immerhin widerspricht diese biblische Lehre unserer menschlichen Erfahrung und den Erkenntnissen der Naturwissenschaften! Auch den Jüngern Jesu fiel es anfangs sehr schwer, daran zu glauben, selbst bei und nach den vielen Begegnungen, die sie mit Ihm nach Seiner Auferstehung hatten (Mt. 28, 17/ Mk. 16, 8. 11. 13 - 14/ Lk. 24, 37 - 41/ Joh. 20, 25).

Deshalb ist die Behauptung modernistischer Theologen ja auch so unhaltbar, der Auferstehungsglaube sei dadurch entstanden, daß die Jünger sich einfach nicht mit dem Tod ihres Meisters abfinden konnten, so daß sie sich all diese Erlebnisse einbildeten und schließlich fest davon überzeugt waren, daß Er von den Toten auferweckt worden sei, obwohl dies angeblich nicht stimme. Die verschiedenen Berichte in den Evangelien zeigen deutlich, daß die Jünger lange Zeit hindurch absolut nicht geneigt waren, an die Auferstehung Jesu zu glauben. Diese Berichte wären dann also eine bewußte Fälschung!

Und wenn Lukas in Apg. 1, 3 von "vielen sicheren Kennzeichen (oder: Beweisen; das griechische Wort bezeichnet einen überzeugenden, durchschlagenden Beweis)" dieser Tatsache spricht, dann ist das entweder die Wahrheit oder eine Lüge. In der Apostelgeschichte ist deutlich zu sehen, daß die leibliche Auferweckung Jesu ein zentrales Thema der Verkündigung der Apostel war (Apg. 2, 24 - 32/ 3, 15. 26/ 4, 10/ 5, 31/ 10, 40/ 13, 30. 33 - 37/ 17, 3. 31/ 26, 23) - sollten sie ihre Lehre auf eine vorsätzliche Geschichtsfälschung aufgebaut haben? Paulus zufolge gab es mehr als fünfhundert Augenzeugen der Auferstehung Jesu, die z.T. noch lebten - das war damals nachprüfbar (1. Kor. 15, 6). Es gibt kaum eine historische Tatsache, die so gut belegt ist wie diese, und mehr als ein Skeptiker ist von der Wahrheit der Auferweckung Jesu überzeugt worden, als er versuchte, dies zu widerlegen.2

Der Herr ist wahrhaftig und leiblich auferstanden; dies ist eine unumstößliche Wahrheit, die unseren Glauben stärken kann. Denn weil Er den Tod besiegt hat, gibt es nichts, was für Ihn unmöglich ist, kein Problem in unserem Leben, mit dem Er nicht fertigwerden könnte. Wenn wir damit in unserem Alltag rechnen, dann kann die Auferstehung Jesu unser Leben entscheidend verändern. Denken und leben wir nicht im Grunde manchmal so, als habe der Tod immer noch das letzte Wort?

3) Sie überwindet unsere Ängste (V. 8)

"Und sie (die Frauen) gingen hinaus und flohen von der Gruft. Denn Zittern und Bestürzung hatte sie ergriffen, und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich."

Die Frauen waren so verängstigt, daß sie dem Befehl des Engels, den anderen Jüngern die Nachricht von der Auferstehung ihres Herrn zu bringen, zunächst nicht nachkamen. Zu unfaßbar war das, was sie erlebt hatten: sie hatten den Leichnam Jesu in einer verschlossenen Gruft gewähnt; statt dessen fanden sie eine offene, leere Grabhöhle vor und einen Engel, der sagte, der Herr Jesus sei von den Toten auferweckt worden. Das war mehr, als sie unmittelbar verkraften konnten; "Zittern und Bestürzung hatte sie ergriffen" (V. 8). Das Wort "Bestürzung" gibt ein griechisches Wort wieder, von dem unser Begriff "Ekstase" stammt; es bedeutet Außersichsein, Verwirrung, Ratlosigkeit, Entsetzen oder Verzückung. In diesem Zustand waren sie nicht fähig, die Botschaft des Engels weiterzugeben!

Und doch mischte sich in diese Angst auch schon Freude, wie der Parallelbericht bei Matthäus zeigt: "Und sie gingen schnell von der Gruft hinweg mit Furcht und großer Freude ... " (Mt. 28, 8a) Es dämmerte ihnen langsam, daß der Herr Jesus tatsächlich von den Toten auferweckt worden war, und schließlich erzählten sie es dann doch den Jüngern (Mt. 28, 8b). In dem Maße, wie die Frauen die Tatsache der Auferstehung begriffen, verdrängte die Freude darüber ihre Furcht. Auch unsere Ängste können durch das Wissen um Jesu Sieg über den Tod überwunden werden! "Ich weiß nicht, was mich ängstet, wenn ich bedenke, daß Jesus lebt." (Christoph Blumhardt)3.

Die Auferstehung Jesu ist eine Tatsache, die unser Leben entscheidend verändern kann - auch, indem sie unsere Ängste besiegt, z.B. die Furcht vor dem Tod und die Angst vor der Zukunft. Was kann einem Menschen, der dem Herrn Jesus Christus gehört, denn eigentlich Besseres geschehen, als zu sterben und in das wunderbare, neue, ewige Leben in der Herrlichkeit hinein aufzuerstehen? Dieser Herr Jesus hat nach Seiner Auferstehung versprochen: "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden. ... Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters." (Mt. 28, 18. 20). An Seiner Seite sind wir geborgen und brauchen uns auch vor der Zukunft nicht zu fürchten.

Die Frage, ob der Herr Jesus Christus tatsächlich und leiblich auferstanden ist oder nur "ins Kerygma (die Verkündigung) der Gemeinde hinein", wie Rudolf Bultmann seinen Unglauben theologisch verbrämte, ist also keine akademisch - theoretische Streitfrage für Theologen. Unsere absolute Gewißheit, daß unser Herr wirklich den Tod überwunden hat, kann und will ganz praktische Auswirkungen auf unseren Alltag haben:

- sie relativiert unsere Sorgen

- sie stärkt unseren Glauben

- sie überwindet unsere Ängste.

Der Herr ist auferstanden!

Detlev Fleischhammel


1 Atheistisch an Gott glauben, Olten/Freiburg i. Br. 1968, S. 98

2 Siehe Frank Morison, Wer wälzte den Stein?, Konstanz 1978; Josh McDowell, Die Tatsache der

Auferstehung, Bielefeld 1981

3 zitiert nach Margret Wanner, Treffend gesagt, Gießen/Basel 1989, S. 39